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Metoprolol Gewichtszunahme: Betablocker und die Waage

Metoprolol Gewichtszunahme

Metoprolol gehört in Deutschland zu den am häufigsten verordneten Medikamenten bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit und zur Migräneprophylaxe. Gewichtszunahme ist in der Packungsbeilage als mögliche Nebenwirkung vermerkt. Was dahintersteckt, lässt sich erklären.

Wie Metoprolol den Stoffwechsel beeinflusst

Metoprolol blockiert Betaadrenozeptoren, senkt Herzfrequenz und Blutdruck. Das ist die erwünschte Wirkung. Dieselben Rezeptoren sind aber am Energiestoffwechsel beteiligt – und hier beginnt der Einfluss auf das Gewicht.

Mehrere Mechanismen wirken gleichzeitig: Senkung des Grundumsatzes und der Wärmeproduktion – eine direkte Stoffwechselwirkung; verminderte körperliche Aktivität durch Müdigkeit – ein indirekter, aber realer Faktor für den Energieverbrauch; Wassereinlagerungen, die das Gewicht auf der Waage erhöhen, ohne Fettgewebe darzustellen; sowie eine mögliche Verschlechterung der Insulinsensitivität, die günstige Bedingungen für viszerales Fett schafft.

Wie groß ist die Gewichtszunahme

Eine Analyse von acht prospektiven randomisierten kontrollierten Studien mit einer Laufzeit von jeweils mindestens sechs Monaten, erschienen in Hypertension (AHA Journals), ergab: Der mediane Gewichtsunterschied zwischen Betablocker- und Kontrollgruppen betrug 1,2 kg (Spanne -0,4 bis 3,5 kg). Die Zunahme war in den ersten Behandlungsmonaten am stärksten ausgeprägt.

Laut einer Studie im Journal of Nutrition and Metabolism senken Betablocker die fakultative Thermogenese um 50 bis 100 kcal täglich – das entspricht einer Gewichtszunahme von 2 bis 5 kg pro Jahr bei unveränderter Ernährung. Manche Patienten bemerken keine Veränderung, andere nehmen bei hohen Dosen und langer Einnahmedauer 5 bis 10 kg oder mehr zu.

Metoprolol im Vergleich zu anderen Betablockern

Nicht alle Betablocker verhalten sich gleich. Bei älteren Wirkstoffen wie Atenolol, Propranolol und Metoprolol wird Gewichtszunahme als mögliche Nebenwirkung beschrieben. Nebivolol der neueren Generation stimuliert die Stickstoffmonoxidproduktion und hat eine zusätzliche gefäßerweiternde Wirkung. Sein Stoffwechselprofil ist deutlich günstiger. Die Deutsche Herzstiftung nennt Nebivolol als begründete Alternative zu Metoprolol bei störenden Nebenwirkungen. Auch Carvedilol bei Herzinsuffizienz neigt seltener zu Stoffwechselstörungen.

Was man bei fortgesetzter Therapie tun kann

Metoprolol darf nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Eine Gewichtskontrolle bei weiterer Einnahme ist aber möglich.

Eine leichte Reduzierung der Gesamtkalorienzufuhr um 150 bis 200 kcal täglich gleicht den verlangsamten Stoffwechsel aus. Bei körperlichem Training unter Betablockertherapie spiegelt die Herzfrequenz die tatsächliche Belastung nicht wider. Stattdessen empfiehlt sich die Borg-Skala für empfundene Anstrengung; moderate Belastung entspricht 12 bis 14 Punkten von 20. Natriumreduktion auf 5 bis 6 g täglich mindert Wassereinlagerungen. Zweimal bis dreimal wöchentliches Krafttraining erhält die Muskelmasse und stützt den Grundumsatz.

Wann ein Gespräch mit dem Arzt sinnvoll ist

Eine Zunahme von mehr als 5 kg in 3 bis 6 Monaten ohne Änderung von Ernährung und Aktivität ist ein Anlass für ein ärztliches Gespräch. Dasselbe gilt bei neuen Symptomen wie unerklärlichem Durst, Erschöpfung nach dem Essen oder Schwellungen an den Extremitäten – mögliche Hinweise auf eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, die eine weiterführende Diagnostik erfordert.